Testaufbau

Jede der sieben Maschinen wurde mit demselben Mahlgrad (Eureka Mignon Specialità), demselben Bohnenmix (60 % Arabica La Tortuga, 40 % Robusta Vietnam, geröstet bei einer kleinen Berliner Rösterei) und identischen 18-Gramm-Doppelporzellan-Tampern bedient. Wir haben Brühtemperatur am Siebträgerauslauf, Brühdruck am Manometer und Aufheizzeit ab Knopfdruck gemessen.

Die Maschinen

  • Lelit Anna PL41TEM (Single-Boiler, 449 Euro)
  • Rancilio Silvia E (Single-Boiler, 779 Euro)
  • Gaggia Classic Evo Pro (Single-Boiler mit OPV-Mod, 559 Euro)
  • Sage Bambino Plus (Thermoblock, 549 Euro)
  • Profitec Go (Single-Boiler, 749 Euro)
  • ECM Casa V (Single-Boiler, 799 Euro)
  • Quickmill Pippa (Single-Boiler, 699 Euro)

Der Sieger: Gaggia Classic Evo Pro

Die Gaggia hat das beste Verhältnis aus Tassenqualität, Wartungsfreundlichkeit und Langzeitkosten geliefert. Über acht Monate brauchte sie eine einzige Reparatur (Dichtung des Solenoidventils, 7,40 Euro Materialwert, in zwölf Minuten selbst getauscht). Der Brühdruck blieb stabil bei 9,1 bar nach dem in der Community üblichen OPV-Mod. Wer keine elektronische Temperatur-PID will, bekommt eine Maschine, die seit 1991 grundsätzlich gleich gebaut wird — und genau deshalb für die nächsten zehn Jahre weiterhin Ersatzteile haben wird.

Die Überraschung: Lelit Anna

Im günstigsten Preissegment liefert die Lelit erstaunlich konsistente Espressi. Die Aufheizzeit ist mit 6 Minuten der schwächste Wert im Test, aber das Brühergebnis ist auf Augenhöhe mit Maschinen, die das Doppelte kosten. Wer regelmäßig nur ein bis zwei Espressi pro Tag macht und die Aufheizzeit einkalkuliert, hat hier die rationalste Wahl.

Der Verlierer: Sage Bambino Plus

Die Maschine ist die schnellste im Test (Aufheizzeit unter 30 Sekunden), aber wir hatten in acht Monaten drei Defekte — zweimal das Thermoblock-Heizelement, einmal die Pumpe. Sage hat alle Reparaturen kulant übernommen, aber die Reparaturzeit lag bei durchschnittlich 22 Tagen. Wer sich auf seine Espressomaschine als Werkzeug verlässt, sollte ein Modell wählen, das auch der Endkunde selbst öffnen und warten kann.

Was wir nicht erwartet hatten

Der häufigste Defekt im gesamten Testfeld war nicht die Pumpe und nicht das Heizelement, sondern das Dreiwege-Solenoidventil. Bei vier von sieben Maschinen mussten wir innerhalb des Testzeitraums die Dichtung dieses Ventils tauschen. Das ist ein Konstruktionsdetail, das in keinem Datenblatt erwähnt wird. Wer eine Espressomaschine kauft, sollte die Verfügbarkeit dieses Ersatzteils vor dem Kauf prüfen — bei drei der Hersteller dauerte die Lieferung über zehn Werktage.

Was eine Maschine unter 800 Euro nicht leisten kann

Keine der getesteten Maschinen liefert die Brühtemperaturstabilität, die eine Dualboiler-Maschine ab 1.400 Euro garantiert. Wer mehrere Espressi in Folge zieht (über vier in zehn Minuten), bekommt am Single-Boiler eine sichtbare Veränderung im Tassenprofil. Für den durchschnittlichen Haushalt mit zwei bis acht Tassen pro Tag spielt das keine Rolle. Für eine Kleinstgastronomie schon.